Sermorelin ist ein synthetisches Analogon der Reste 1–29 des humanen GHRH, das den GHRHR auf hypophysären Somatotrophen aktiviert und so die physiologische, pulsatile Freisetzung von endogenem Wachstumshormon (GH) auslöst, während die negative Rückkopplung durch Somatostatin und IGF-1 erhalten bleibt.
Sermorelin (GRF(1-29)NH₂) entspricht den N-terminalen 29 Residuen des nativen 44-Aminosäuren-Hypothalamus-Peptids GHRH und ist das kürzeste Fragment, das die volle intrinsische Agonistenaktivität des Mutterpeptids beibehält (Prakash & Goa, BioDrugs 1999). Nach subkutaner Verabreichung treten Spitzenkonzentrationen im Plasma binnen ~5–20 Minuten auf, doch das Peptid wird rasch inaktiviert — überwiegend durch die Dipeptidylpeptidase-IV (DPP-IV), die das N-terminale Tyr-Ala-Dipeptid abspaltet und das inaktive GRF(3-29)NH₂ generiert — woraus eine Eliminationshalbwertszeit von etwa 11–12 Minuten resultiert. Trotz dieser kurzen Verweildauer reicht die transiente GHRHR-Aktivierung aus, um einen diskreten GH-Puls zu generieren, dessen pharmakodynamische Wirkung 1–2 Stunden anhält. Da der Reiz pulsatil ist und die Antwort unter endogener IGF-1- und Somatostatin-Rückkopplung bleibt, unterscheidet sich der Mechanismus von Sermorelin grundlegend von rekombinantem humanen Wachstumshormon (Somatropin), das systemisches GH ohne Erhalt der Pulsatilität direkt anhebt, sowie von länger wirksamen GHRH-Analoga wie Tesamorelin (stabilisiertes GHRH(1-44) mit N-terminalem trans-3-Hexenoyl-Schutz) und CJC-1295 (DPP-IV-resistentes GHRH(1-29) mit optionalem Drug-Affinity-Complex/DAC, das die Halbwertszeit von Minuten auf Tage verlängert).